Geburtsbericht

von Patricia

Hausgeburtsbericht mit einer Plazenta Insertio Velamentosa

Nach einer für mich sehr traumatischen ersten Geburt im Krankenhaus war für mich klar, dass das Krankenhaus nicht der richtige Ort für mich ist, um in Vertrauen mein Kind auf die Welt zu bringen. Während meiner zweiten Schwangerschaft suchte ich deshalb nach einer Hausgeburtshebamme und fand sie zum Glück schnell. Zusammen mit meiner lieben Freundin Anne, die gleichzeitig auch Hebamme ist, arbeitete ich sehr tief mein Trauma auf und kam immer mehr in das Vertrauen, dass mein Körper in der Lage ist ein Kind sanft, ohne Interventionen und vielleicht sogar ohne Schmerzen zu gebären. Ich kommunizierte sehr viel mit meinem Baby, wodurch die Angst vor der Geburt verschwand und das Vertrauen in meinen Körper und in mein Baby wuchs. Um die 20. Woche herum kam es zu einem Wendepunkt in dieser Schwangerschaft. Ich beschloss keine weiteren Vorsorgetermine mehr wahrzunehmen und nur noch die Vorsorge mit meiner Hebamme zu Hause durchzuführen. Irgendetwas sagte mir, dass wenn ich noch weitere Ultraschalluntersuchungen durchführen würde, diese Hausgeburt verhindert wird. Ich behielt, wie sich später herausstellen wird recht. Ich schärfte meinen Blick für alle inneren Vorgänge und durch die fehlenden Untersuchungen konnte ich viel mehr bei mir selbst bleiben und weniger im außen. Durch tägliche Meditationen und Yoga verstärkte sich dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit und Vorfreude auf die nahende Geburt.

 

Am 01.06.2021 abends lag ich mit meinem Mann Jasper auf dem Sofa. Plötzlich spürte ich wie etwas aus mir herausplopte und ich ging auf die Toilette. Ich war unsicher ob es sich um Fruchtwasser oder um den berühmten Schleimpfropf handelte, also rief ich meine Hebamme an, welche am nächsten morgen einen Fruchtwassertest machen wollte. In dieser Nacht schlief ich sehr unruhig aber ich schlief und es kam zu keinen weiteren Vorfällen. Um 6 Uhr morgens ging ich auf die Toilette und da war er der Schleimpfropf und kurz danach die erste spürbare Welle. Ich freute mich und musste die ganze Zeit lächeln. Um 8 Uhr kam meine Hebamme und machte den Fruchtwassertest. Negativ. Wir hatten also alle Zeit der Welt und es stand der Hausgeburt nichts im Weg. Sie fuhr dann kurz danach wieder mit den Worten „vielleicht sehen wir uns heute noch oder erst in ein paar Tagen,“ ich solle anrufen wenn sich mehr tut. Gesagt getan. Mit meinem Papa vereinbarten wir vorsichtshalber, dass er unseren großen Sohn aus der Kita holt und mit ihm an den Strand fährt. Ein Gefühl sagte mir, dass wir heute Abend schon zu viert sein werden. So verbrachten wir den ganzen Tag über am Strand und im Garten. Ich hatte dauerhaft Wellen, wobei sie überhaupt nicht stark oder annähernd schmerzhaft waren. Ich entspannte mich so gut es ging zusammen mit meinem Mann. Es war wirklich wie ein Tag im Spa. Kinderfrei und unglaublich schönes Wetter an diesem zweiten Tag im Juni. In Gedanken sagte ich meinem Baby immer, wie schön dieser Tag wäre um auf die Welt zu kommen. Um 19.30 Uhr fingen die Omis, die mit auf unserem Hof wohnen an, im Garten zu arbeiten und uns ständig Fragen zu stellen, weshalb wir dann beschlossen reinzugehen. Vorher riefen wir nochmal die Hebamme an um ihr zu sagen, dass ich zwar Wellen habe aber es nicht nach Geburt aussieht. Sie wollte aber dennoch nochmal in einer Stunde vorbeikommen um nach mir zu sehen. Wir gingen also rein und ich kuschelte mich mit meinem Sommerkleid aufs Sofa. Von nun an spürte ich, dass die Wellen an Intensität zunahmen und ich mehr Konzentration benötigte um entspannt zu bleiben. Als dann unsere Hebamme durch die Tür kam, schaute sie mich nur an und meinte „wenn ich dich so sehe, dann bist du bei 8cm“. Ich konnte es nicht fassen. Wie sollte das gehen, wo ich doch den ganzen Tag überhaupt keine starken Wellen hatte. Sie fragte mich ob sie einmal schauen dürfte und ich willigte ein. 5cm. Wow. Ich war absolut glücklich und erleichtert, dass die Geburt so gut und schmerzlos voran ging. Um kurz vor 22 Uhr spürte ich das starke Verlangen alleine sein zu wollen und auf die Toilette zu müssen. Ich ging also ins Bad und setzte mich auf die Toilette. Die Wellen kamen so unerbittlich und stark, dass ich große Mühe hatte bei mir zu bleiben und nicht dem Schmerz die Überhand zu geben.

In diesem Moment überließ ich alles meinem Körper und versuchte so gut es ging loszulassen. Peng die Fruchtbase platzte in die Toilette. Ich sagte nichts mehr und war ganz still als auf einmal der Pressdrang (den ich von der ersten Geburt durch die PDA nicht kannte) einsetzte und ich sehr laut anfing zu tönen. Meine Hebamme hörte die bekannten Töne und klopfte an die Tür. Sie kam herein und sagte jetzt gehts los und warf sich unter mich. Schon kam der Kopf meines Babys und ich konnte es einfach nicht glauben, was mein Körper gerade für ein Wunder vollbringt. 22:04 Uhr nach der nächsten Welle war er geboren. Unser zweiter Sohn. Die Hebamme legte ihn mir in die Arme und meinte noch, dass die Nabelschnur sehr kurz ist. Kurz darauf merkte ich, wie schon die Plazenta geboren wurde. Wir legten sie in eine Schale und Jasper ging mit unserem Sohn und der Schale schon vor ins Wohnzimmer.

Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war nabelte Jasper unseren Kleinen ab und wir durften ungestört mit ihm die erste Stunde seines Lebens kuscheln. In dieser Zeit untersuchte die Hebamme die Plazenta auf Vollständigkeit und wir hörten aus dem Nebenraum die ganze Zeit ihre Worte: „das ist ja Wahnsinn, das ist ja unglaublich“. Wir wunderten uns etwas aber genossen natürlich noch mehr die Kennenlernzeit mit unserem zweiten Kind. Später kam dann unsere Hebamme und erzählte uns von meiner unglaublich besonderen Plazenta. Eine Plazenta Insertio Velamentosa. Hätte man diese während der Schwangerschaft z.B bei der Feindiagnostik (bei der ich noch war) entdeckt, hätte man mir einen Kaiserschnitt nahegelegt. Auch wären Interventionen, wie die Blase zu öffnen oder an der Nabelschnur zu ziehen, wie sie im Krankenhaus oft üblich sind lebensgefährlich gewesen. Es kam jedoch alles so wie es kommen sollte. Auch ich hatte keinerlei Geburtsverletzungen trotz großer Dammschnittnarbe.

Durch diese Geburt hat sich mein Leben grundlegend verändert und das Vertrauen in meinen Körper und meine Kraft unglaublich verstärkt.

Ich bin so dankbar für diese wunderschöne Erfahrung.

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